TAG EINER ZÜCHTERIN (Februar 2018 - E-Wurf)

Die Nacht war wieder ereignisreich: alle 1,5 bis 2 h wurde gesäugt. Ich immer dabei: könnte ja sein, dass sonst ein Welpe totgelegen wird. Oder ein Welpe seine Mahlzeit verschläft...
In der Tat: Zwei Mädels (rosa und orange) müssen häufig geweckt werden, damit sie auch einen Platz an der Milchbar ergattern. Die beiden Schnarchnasen sind immer die Letzten... Das tut der Gewichtsentwicklung der kleinen orangenen Hündin aber keinen Abbruch: Sie hat ihr Geburtsgewicht nach 10 Tagen schon fast verdreifacht!

Der kleine blaue Junge musste nach jedem Säugen betüddelt werden. Lena leckt sein Bäuchlein und anschließend sein Gesicht (igitt). Ich versuche es mit Bauchmassage. Der kleine Mann jammert und ist unzufrieden, er weiß nicht, wo er liegen, wie er liegen soll, irgendwie zwackt der Bauch... Irgendwann ist dann alles gut. Die anderen Welpen schlafen dann schon längst wieder.

In den ersten Tagen wird Lena auch noch nachts gefüttert. Wie schon ihre Vorfahren (Mama Bo und Uroma Lara) wird aber nicht einfach gefressen, nein: während man in der Wurfkiste liegt, wird zunächst eine frisch gewaschene Stoffwindel vor ihr ausgebreitet. Dann kommt Frauchen mit dem Futter und hält einem ein Stückchen vor die Nase. Aber Lena dreht sich angeekelt weg: Empörung! Das Stück ist viel zu groß! Dann versucht Frauchen die Hälfte: Lena nimmt es ins Maul und spuckt es auf die Windel... O.k. ein Viertel? Das wird nun endlich "mit langen Zähnen" gefressen. Die nächsten Stücke dürfen auch nicht größer sein, bis dann der "Fressrausch" kommt: das Stück darf ein wenig größer sein und wird auch schneller gefressen und so weiter. Wenn ich Glück habe leckt sie am Ende den Napf aus. Ich hoffe, bald wird es besser mit dem Fressen. So eine säugende Hündin braucht so viel und sooft Futter, dass ich den überwiegenden Teil des Tages am Füttern bin!

Morgens nach dem Füttern von Mama Lena, Becky und Bo werden die Kleinen im Rahmen der Reinigung der Wurfkiste alle gewogen. Am Anfang wollte Lena am liebsten mit auf die Waage - die auf dem Wohnzimmertisch steht - aber allmählich darf ich die Kleinen auch "alleine" wiegen. Sie hat sie ja immer wieder zurückbekommen...

Die übrige Zeit ist da noch das Ding mit der Wäsche. Berge von Wäsche türmen sich auf: Verschmutzt vom Ausfluss der Hündin und den Ausscheidungen der Welpen - sofern sie nicht rechtzeitig von Mama saubergemacht wurden... Die Wäsche in der Wurfkiste wird mehrmals täglich gewechselt. Nebenan gibt es ein extra Bettchen für Lena mit Vetbed und Laken. Leider möchte Lena noch buddeln und bringt alles durcheinander - wie auch das "Bettchen" von Frauchen, welches ja auch mal durchgebuddelt werden muss. Und schon ist wieder alles dreckig und muss gewaschen werden. Vom Garten mal ganz zu schweigen: dort sind metertiefe Löcher in den Beeten...

Natürlich muss das Lenchen auch mehrmals am Tag den Popo gewaschen bekommen, denn das schleimige Blut, was noch aus der Gebärmutter kommt verfängt sich ganz hervorragend im Fell! Und wieder werden Handtücher gebraucht: zum Auslegen in der Dusche, damit das Lenchen nicht ausrutscht und zum Abtrocknen natürlich auch... Vom Wischen und desinfizieren der Fußböden will ich gar nicht erst sprechen.

Die Temperatur im Wohnzimmer - wo ja die Wurfkiste steht - ist recht hoch in den ersten Lebenstagen der kleinen Racker, bei denen die körpereigene Temperaturregulation noch nicht funktioniert... 1-2-mal täglich werden die Kleinen einkaserniert: die Wurfkiste wird "verschlossen" oder zugehängt, damit man mal wieder Sauerstoff ins Zimmer lassen kann.

Heute - die Mäuse sind nun 10 Tage alt - gab es noch 2 Extrajobs zu tun: Lena wurde auf Ihrem Extrabett neben der Wurfkiste in Rückenlage verbracht, rechts und links ein zusammengerolltes Handtuch neben die Schulter und dann wurde der Zustand der Gebärmutter per Ultraschall überprüft: es sieht alles gut aus. Der Uterus hat sich schön zusammengezogen und es ist nur noch wenig Flüssigkeit darin. So soll es sein! Arme Lena, schon blöd wenn man so ein Tierarzthund ist - sie läßt alles über sich ergehen, ist dann aber froh, wenn es vorbei ist!

Der 2. Einsatz betraf die Welpen: Ihnen wurden zum ersten Mal die Krallen geschnitten. Die sind bei den Mäusen so spitz, dass sei beim "Milchtritt" zur Reizung des Gesäuges bei Mama führen können. Das habe ich gemacht als sie satt und zufrieden waren, direkt nach einem Besuch an der Milchbar...

Was gibt es noch von den Welpen zu berichten: Während häufig 4 Welpen zusammen "rumhängen" (sog. Kontaktliegen), zieht es die orangene Hündin immer an dieselbe Stelle unter den Distanzrahmen. Da hat sie ihre Ruhe.
Die rote Hündin und der blaue Rüde sind eher auf Krawall aus: häufig roben sie nölenderweise durch die Wurfkiste, obwohl sie doch alles hatten: Milch, Saubermachen und Knutschen mit Mama und ein Plätzchen unter dem Distanzrahmen...
Die rote Hündin hat sich schon hin und wieder auf ihre Vorderbeinchen gestellt und über den Distanzrahmen "geguckt" - richtig sehen können sie ja noch nicht...
Die kleine rosane Hündin hatte zwischen dem 4. und 5. Lebenstag eine Schreiphase, die glücklicherweise wieder aufgehört hat - sie erinnerte mich ein bisschen an die "Dreimonatskoliken" von unserem Sohn Jan.
Rüde grün ist ein Musterknabe: Er beschwert sich nie, ist immer zur Stelle, wenn es was zum Trinken gibt und fällt irgendwie gar nicht auf - aber das kann sich ja noch ändern...

Trotz allem: Für mich gibt es nichts Schöneres, als diese kleinen Mäuse großwerden zu sehen, sie zu beobachten, zu versorgen, zu trösten, auf ihr Leben vorzubereiten und den liebevollen Umgang von Lena mit ihren Welpen zu sehen.

...und das jetzt schon, wo ja noch gar nicht soviel passiert... Ich liebe es!

Heike Hoffmann